Diabetischer Fuß – was ist das?

Diabetischer Fuß – was ist das?Diabetischer Fuß: Gefürchtete Komplikation bei Diabetes.

Der diabetische Fuß ist eine schwere Langzeitkomplikation bei Patienten mit Diabetes. Dazu kommt es, wenn durch einen jahrelang erhöhten Blutzuckerspiegel schwere Schädigungen der Nerven und Blutgefäße in den Beinen verursacht werden. Die Folge: Selbst kleinste Verletzungen heilen dann nur schlecht ab, sie infizieren sich leicht und es entwickeln sich oft tiefe Geschwüre, die sich bis auf den Knochen ausbreiten können. Schlimmstenfalls kann eine Amputation erforderlich sein. Erschreckend: Rund 70 Prozent der Amputationen in Deutschland betreffen Patienten mit Diabetes – das sind immerhin 40.000 jedes Jahr. Umso wichtiger ist es, dass Menschen mit Diabetes besonders gut auf ihre Füße achten und entsprechende Maßnahmen zur Vorbeugung beherzigen.

Das diabetische Fußsyndrom

Mit dem Begriff „diabetisches Fußsyndrom“ (DFS) wird ein Komplex von Symptomen im Bereich der Füße und Unterschenkel bezeichnet, die sich infolge einer Diabeteserkrankung entwickeln können.

Dazu zählen z. B.:

  • Fußverletzungen (Läsionen)
  • Tiefe Geschwüre (Ulzera, mit oder ohne Infektion)
  • Schwäche der Fußmuskulatur
  • Verformungen des Fußes bzw. der Zehen (Krallenfuß)
  • Charcot-Fuß (Diabetische Neuro-Osteoarthropathie, DNOAP): Besonders schwere Form des diabetischen Fußes, bei der es zu Veränderungen des knöchernen Fußskeletts kommt. Diese werden von den Betroffenen oft erst spät durch die begleitenden Rötungen, Schwellungen oder Fehlstellungen bemerkt.
  • Gangrän: Gewebsnekrose, also Absterben von Gewebe durch Mangeldurchblutung.

Umgangssprachlich werden auch die Begriffe „diabetischer Fuß“, „Diabetikerbein“ oder „Zuckerfuss“ verwendet.

Mehr über die Symptome

Zahlen und Fakten

  • Die Angaben zur Häufigkeit des diabetischen Fußsyndroms schwanken zwischen etwa vier und fünfzehn Prozent.1
  • Bei bis zu einem Viertel aller Diabetiker entwickelt sich ein diabetisches Fußulkus (Ulkus = Geschwür).1
  • Rund 70 Prozent der Amputationen, die Jahr für Jahr in Deutschland erfolgen, betreffen Patienten mit Diabetes – das sind etwa 40.000 Amputationen pro Jahr.3
  • Mehr als die Hälfte der Patienten, die in Deutschland an einem diabetischen Fußsyndrom erkranken, müssen mit einer Amputation innerhalb von 4 Jahren nach Diagnosestellung rechnen.1

Wissenswerte Fakten im Überblick

Gut zu wissen: Das diabetische Fußulkus (Ulkus = Geschwür) tritt im Rahmen eines diabetischen Fußsyndroms auf. Dabei handelt es sich um eine Wunde am Fuß, die leicht zu ernsten Komplikationen führen und in letzter Konsequenz auch eine Amputation erforderlich machen kann.

Das diabetische Fußulkus – was ist das?

  • Fußgeschwüre: Gefürchtete Langzeitfolge des Diabetes

    Fußgeschwüre: Gefürchtete Langzeitfolge des Diabetes

    Fußulzera (Ulzera = Geschwür) sind eine häufige und gefürchtete Langzeitfolge des Diabetes. Etwa ein Viertel der Patienten mit Diabetes entwickelt ein Fußgeschwür.

  • Chronische Wunden

    Chronische Wunden

    Werden die schlecht heilenden Geschwüre nicht frühzeitig behandelt, können sie sich bis auf den Knochen ausweiten und infizieren.

  • Risiko für Amputationen

    Risiko für Amputationen

    Mit der Zeit können ganze Gewebeteile, einzelne Zehen oder Teile des Fußes absterben (schwarze Verfärbung). In letzter Konsequenz kann eine Amputation erforderlich sein.

Symptome & Ursachen

Bei der Entstehung des diabetischen Fußsyndroms spielen mehrere Ursachen eine Rolle. Heute weiß man, dass es häufig Nervenschädigungen in den Beinen sind, die den Fußproblemen bei Diabetikern den Weg bereiten. Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer diabetischen Neuropathie. Sie wird u. a. durch die erhöhten Blutzuckerwerte ausgelöst, die dazu führen, dass die kleinen Blutgefäße verstopfen, die zur Versorgung der Nerven dienen.

Bei vielen Diabetikern sind zusätzlich die Vitamin B1-Spiegel deutlich erniedrigt. Auch ein Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) kann Nervenschäden auslösen oder verschlimmern. Das Gleiche gilt übrigens auch für einen erhöhten Alkoholkonsum.

Typische Anzeichen für diabetische Nervenschäden sind Symptome wie Brennen und Kribbeln in den Füßen („Ameisenlaufen“). Auch die Schmerzempfindlichkeit in den Füßen sinkt, sodass Betroffene Verletzungen bzw. Schmerzen an den Füßen nicht mehr richtig wahrnehmen können. Ein Steinchen im Schuh, Druckstellen oder Blasen an den Füßen können dann fatale Folgen haben. Zudem wird bei Betroffenen ein weiteres Phänomen beobachtet: Der sogenannte Leibesinselschwund. Weil die Betroffenen ihre Füße nicht mehr spüren, nehmen sie sie nicht mehr als Teil von sich war („innere Amputation“) – und gehen deshalb bei Problemen oft viel zu spät zum Arzt.

Außerdem bestehen bei Diabetes oft auch Durchblutungsstörungen in den Beinen. Sie gehen auf Schädigungen der Gefäße durch erhöhte Blutzuckerwerte zurück. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet „diabetische Angiopathie“ (Angiopathie = Gefäßleiden). Das Gewebe und auch die Nerven werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Kalte Füße, Wundheilungsstörungen und Schmerzen in den Beinen können die Folge sein. Auf lange Sicht können durch die Mangelversorgung auch ganze Gewebebezirke absterben. Ärzte sprechen dann von Nekrosen.

Gut zu wissen: Bei etwa 35 Prozent der Diabetiker sind sowohl die Nerven als auch die Gefäße geschädigt.1

Hinzu kommt, dass die Erkrankung die Abwehr schwächt. Das hat zur Folge, dass das Risiko für Infektionen erhöht ist und Wunden ohnehin schlechter heilen als bei Gesunden. Auch diese Faktoren tragen dazu bei, dass bei Betroffenen aus kleinen Fußwunden große Probleme entstehen können und sich häufig etwa ein Geschwür (Fußulkus) entwickelt oder Gewebe abstirbt (Gangrän).

Diabetischer Fuß: Verschiedene Formen

In Abhängigkeit davon, welche Ursachen zugrunde liegen, werden verschiedene Formen des diabetischen Fußes unterschieden, die sich mit unterschiedlichen Symptomen äußern können.

Neuropathischer Fuß Ischämischer Fuß
Ursache Ursache
Diabetische Neuropathie d. h. Schädigung der Nerven in den Füßen infolge der Diabetes-Erkrankung Diabetische Angiopathie d. h. gestörte Durchblutung in den Füßen infolge der Diabetes-Erkrankung
Kennzeichen Kennzeichen
  • Warme und rosige Füße
  • Sehr trockene und rissige Haut
  • Minderung des Schmerzempfinden (Hypalgesie)
  • Taubheitsgefühle
  • Stechen und Schmerzen (v. a. nachts und in Ruhe)
  • Kribbeln in den Füßen (Ameisenlaufen)
  • Brennen in den Füßen („Burning Feet“)
  • Reduzierte Sensibilität (Temperatur, Berührung)
  • Reduzierte Schweißproduktion
  • Starke Neigung zu Verhornung der Haut (Schwielenbildung)
  • Geschwächte Fußmuskulatur
  • Fußpulse tastbar
  • Kalte, blasse bis bläulich verfärbte Füße
  • Verletzungen sind schmerzhaft
  • Sensibilität bleibt bestehen
  • Fußpulse nicht tastbar
Folgen und Auswirkungen Folgen und Auswirkungen
  • Verletzungen und Druckstellen werden nicht rechtzeitig wahrgenommen
  • Unbehandelte Verletzungen entwickeln sich zu schmerzlosen Fußgeschwüren (Malum perforans), die sich leicht infizieren
  • Infektionen können sich auf Gelenke und Knochen ausbreiten
  • Fußverformungen (z. B. Krallenzehen)
  • Charcot-Fuß (Sonderform, bei der das knöcherne Fußskelett einbricht, ohne dass die Betroffenen es bemerken)
  • Es kommt zu einer Minderdurchblutung oder einem vollständigen Ausfall der Durchblutung im Gewebe (Ischämie).
  • Schlecht heilende Wunden
  • Nekrosen (absterbendes Gewebe)
  • Schmerzen beim Gehen, die nach einer Pause schnell zurückgehen (Schaufensterkrankheit)

Da bei vielen Diabetikern sowohl Nervenschäden als auch Durchblutungsstörungen vorliegen, sind Mischformen häufig.

Mehr über die Ursachen und Risikofaktoren

Das A & O: Frühzeitiges Erkennen und rasche Behandlung

Durch die richtigen Maßnahmen zur Vorbeugung und eine frühzeitige Behandlung von Fußproblemen könnten viele Amputationen verhindert werden. Grundsätzlich sollten Menschen mit Diabetes auf eine gute Einstellung des Blutzuckerspiegels achten und die regelmäßigen Routineuntersuchungen beim Arzt wahrnehmen. Alarmsignale wie Brennen und Kribbeln in den Beinen sollten ernst genommen werden.

Wichtig ist auch, dass Diabetiker ihre Füße täglich gründlich auf Veränderungen kontrollieren und bei Auffälligkeiten (z. B. Druckstellen, Blasen, Einrisse, Hornhautschwielen, Hühneraugen, Pilzinfektionen) umgehend zum Arzt gehen. Mehr erfahren

Von größter Bedeutung ist das passende Schuhwerk. Denn schlecht sitzende Schuhe gehören zu den Hauptauslösern von Fußverletzungen bei Diabetikern. Auch Verletzungen bei der Fuß- und Nagelpflege können ernste Folgen haben. Daher ist eine fachgerechte Betreuung durch einen medizinischen Fußpfleger (Podologe) ratsam.

Mehr über die Behandlung und Vorbeugung des diabetischen Fußsyndroms.

Quellen:
1Das diabetische Fußsyndrom. R. Lobmann. J KLIN ENDOKRINOL STOFFW 2013; 6 (2).
2PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie „Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter“, 1. Auflage. Version 1.0 vom 06. Mai 2014
3Diabetisches Fußsyndrom. S. Morbach, E. Müller, H. Reike, A. Risse, G. Rümenapf, M. Spraul. Diabetologie 2012; 7: S143–S151
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